Letzten Samstag, Putzplatz, halb zehn.
Ein Mädchen striegelt ihre Pflegestute, und die Stute gähnt. Einmal. Zweimal. Dreimal.
„Ist die müde? Hab ich was falsch gemacht?“
Weder noch. Die Stute hat gerade gesagt: „Danke, jetzt bin ich entspannt.“
Pferde reden nämlich die ganze Zeit mit uns. Nur halt nicht mit Worten. Sondern mit Ohren, Nase, Maul, Kopf und Beinen. Wer diese Sprache lesen kann, versteht sein Pferd besser. Und ist sicherer unterwegs.
Hier sind 17 Signale, die du ab heute in der Pferdeoase entdecken wirst.
Was die Ohren verraten
1. Beide Ohren nach vorne gespitzt. „Was ist DAS?“ Dein Pferd ist aufmerksam, neugierig, manchmal auch ein bisschen nervös. Schau, wohin es schaut.
2. Ein Ohr dreht sich zu dir. Es hört dir zu. Genau das wollen wir.
3. Ohren flach nach hinten angelegt. „Geh weg.“ Das ist eine klare Drohung, oft am Futter oder gegenüber einem anderen Pferd. Manchmal auch ein Zeichen von Schmerz.
4. Ohren locker zur Seite. Dösen. Tiefenentspannt. Bitte nicht stören – oder vorher ansprechen.
Was Nase und Maul erzählen
5. Langes, tiefes Abschnauben. Das schönste Geräusch in der Pferdeoase. Dein Pferd lässt los und entspannt sich.
6. Kurzes, scharfes Schnauben mit hohem Kopf. Alarm. „Da vorne stimmt was nicht.“
7. Gähnen. Wie bei unserer Stute: Anspannung löst sich. Gähnt ein Pferd aber ständig und ohne Anlass, schau genauer hin. Auch Stress oder Magenprobleme können dahinterstecken.
8. Lecken und Kauen, ohne Futter im Maul. Dein Pferd hat etwas verarbeitet. Bei uns heißt das: kurze Pause, Nachdenkzeit.
9. Hängende Unterlippe. Sieht nicht besonders elegant aus. Heißt aber: völlig entspannt.
10. Flehmen. Oberlippe hoch, Kopf gereckt, Zähne zu sehen. Sieht aus wie ein Lachanfall, ist aber Riechen auf Profi-Niveau. So landen spannende Gerüche in einem eigenen Riechorgan im Gaumen.
11. Anstupsen. „Schau her!“ oder „Hast du was für mich?“. Süß – solange daraus kein Schubsen wird. Dann braucht es freundliche, klare Grenzen.
Was Kopf und Körper sagen
12. Kopf senken. Entspannung und Vertrauen. Wenn dein Pferd neben dir den Kopf hängen lässt, fühlt es sich bei dir sicher.
13. Schweifschlagen. Im Sommer meistens Fliegen. Peitscht der Schweif aber hart hin und her, ist dein Pferd verärgert.
14. Hinterbein heben oder dir die Hinterhand zudrehen. Ernsthafte Warnung. Abstand halten und ruhig bleiben.
15. Scharren mit dem Vorderhuf. Ungeduld. „Wann gibt’s endlich Heu?“ Aber Achtung: Scharrt ein Pferd, schaut immer wieder zum Bauch, legt sich hin und steht wieder auf, kann das eine Kolik sein. Dann sofort Tierarzt.
Was die Stimme meint
16. Wiehern, wenn du kommst. Ein Kontaktruf. Manchmal auch Vorfreude aufs Futter – wir verraten nicht, wie oft. 😉
17. Quietschen beim Kennenlernen. Gehört zur Begrüßung unter Pferden dazu. Damit klären sie, wer wie nah kommen darf.
Warum sich das Lesenlernen lohnt
Jedes dieser Signale ist ein Satz. Wer sie übersieht, hört nur die Schreie. Also das Beißen, Treten, Steigen.
Wer sie liest, hört das Flüstern.
Und genau darum geht es bei uns in der Synergie-Methode: Kommunikation statt Kampf. Du lernst, die Sprache deines Pferdes zu verstehen und selbst klar zu antworten. Mit Körpersprache statt Kraft.
Dein nächster Schritt
Nimm dir beim nächsten Stallbesuch fünf Minuten. Kein Putzen, kein Reiten. Nur schauen.
Wie viele der 17 Signale entdeckst du?
Und wenn du tiefer einsteigen willst: Hol dir unsere 5 Tipps, damit du dein Pferd besser verstehst in der App. Oder komm zur Schnupperstunde in die Pferdeoase. Unsere Pferde reden gern mit dir.
